26. Niedersächsischer Jugendgerichtstag 2016

Die Dokumentation des 26. Jugendgerichtstags erfolgt hier kontinuierlich nach Eingang der Dokumente.

Aktuelle Entwicklungen im Umgang mit straffälligen jungen Menschen in Niedersachsen
26. Niedersächsischer Jugendgerichtstag
Mitgliederversammlung der DVJJ-Landesgruppe Niedersachsen

Freitag, 11. November 2016 im Landgericht Braunschweig

Programm

09:00
Einlass und Anmeldung

09:45
Eröffnung und Begrüßung
Dr. Regine Drewniak
, Vorsitzende der DVJJ-Landesgruppe Niedersachsen
Grußwort der Präsidentin des Landgerichts Braunschweig Eva Moll-Vogel

10:00
Warnschussarrest: Für wen? Warum? Ergebnisse der Evaluation
Prof. Dr. Theresia Höynck
, Universität Kassel

11:00
Arbeitskreise

13:00
Mittagspause

14:00
Rede der Niedersächsischen Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Cornelia Rundt

14:30
Wie ticken Jugendliche?
Klaus Farin
, Respekt! Berlin

15:30
Ende des Jugendgerichtstags

15:45
Mitgliederversammlung der DVJJ-Landesgruppe Niedersachsen
Tagesordnung:
1. Begrüßung, Beschlussfähigkeit, Tagesordnung
2.
Bericht des Vorstands
3. Finanzbericht
4. Bericht der Kassenprüfer
5. Entlastung des Vorstands
6. Schwerpunkte der künftigen Arbeit
7. Verschiedenes
Hierzu laden wir alle Mitglieder der DVJJ in Niedersachsen herzlich ein. Gäste sind willkommen.

Arbeitskreise

AK 1: Salafismus, Islamismus und Islamfeindlichkeit - Was kann man dagegen tun?
Salafismus, Islamismus, Dschihadismus, „Islamischer Staat“ – und auf der anderen Seite Islamfeindlichkeit – dies sind in den vergangenen Jahren Begriffe des Alltags geworden, mit denen wir uns immer häufiger auseinandersetzen müssen. Berichte über Jugendliche, die sich religiös zu radikalisieren scheinen oder sich sogar der Terrormiliz des sogenannten „Islamischen  Staats“ angeschlossen haben sollen, sorgen für Verunsicherung. Dies kann auch zugleich die Herausbildung islamfeindlicher Einstellungen befördern. Der Arbeitskreis will diesen Phänomen auf den Grund gehen: Wie kommt es zu Prozessen der Radikalisierung, woher kommt die Islamfeindlichkeit? Wie kann Jugendhilfe reagieren, wo und welche Hilfen gibt es?
Impuls: Christian Hantel, Beratungsstelle beRATen e.V., Hannover; Dr. Andreas Schwegel, Leiter „Präventionsstelle Politisch motivierte Kriminalität“ im LKA Niedersachsen

AK 2: Die Rolle der Eltern im Jugendgerichtsverfahren – Auswirkungen der EU-Richtlinie über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für verdächtige oder beschuldigte Kinder
Der Arbeitskreis wird sich mit der Frage beschäftigen, ob die neue "Richtlinie über Verfahrensgarantien in Strafsachen für verdächtige oder beschuldigte Kinder" zukünftig in Deutschland die Rolle der Eltern im Strafverfahren verändern wird. Dabei werden vorweg derzeitige nach dem Jugendgerichtsgesetz bestehende Rechte und Pflichten der Eltern mit besonderem Fokus auf die Reichweite des § 67 JGG – Stellung des Erziehungsberechtigten und des gesetzlichen Vertreters – erörtert. Weiterhin wird auf die beiden die Rolle der Eltern betreffenden Artikel der Richtlinie näher eingegangen: dies sind Art. 5 – das Recht des Kindes auf umgehende Information eines Trägers der elterlichen Verantwortung -  und Art. 15 – das Recht des Kindes auf Begleitung durch einen Träger der elterlichen Verantwortung während des Verfahrens. Die zentrale Frage lautet, inwiefern das deutsche Jugendgerichtsgesetz im Sinne dieser Artikel nachbesserungsbedürftig ist.
Impuls: Prof. Dr. Stefanie Kemme, Akademie der Polizei, Hamburg
Moderation: Dr. Michael Sommerfeld, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Berlin

AK 3: Seelische Verletzungen und Möglichkeiten der Traumapädagogik
Traumapädagogik beruht auf der Zusammenarbeit von Therapie und Pädagogik und stellt ein Gesamtkonzept dar, das sich am Wissen und den Erkenntnissen der Erziehungswissenschaften, der Psychotraumatologie, der Bindungstheorie, der Resilienzforschung und der Traumatherapie orientiert. Das Wissen um Traumata ist ein wichtiger Teil der Pädagogik, Ziel der Traumapädagogik ist die emotionale und soziale Stabilisierung von Kindern und Jugendlichen. Grundlage hierfür ist die Schaffung eines sicheren Ortes mit verlässlichen und vertrauensvollen Beziehungen. Dabei spielen der Aufbau von Vertrauen und persönliche Stabilisierung für die Unterstützung bei der Bewältigung von traumatischen Ereignissen eine wichtige Rolle. Im Arbeitskreis wollen wir diskutieren, ob bzw. wie das Wissen um Traumapädagogik in die Arbeit der JuHiS und der Ambulanten Sozialpädagogischen Angebote Eingang finden kann.
Impuls: Iris Schulte-Pankoke, Psychotraumatherapeutin, Schwerte; Julian Daniels, zert. Systemisch-Integrativer Berater, Göttingen
Moderation: Karin Faber, Jugendhilfe Süd-Niedersachsen e.V./ZeitWeise, Göttingen

AK 4: TOA integriert – Möglichkeiten der Anwendung und Integration von Täter-Opfer-Ausgleich im Jugendstrafverfahren
Die TOA-Praxis mit allen Kooperationspartnern im Jugendstrafrecht und Möglichkeiten der stärkeren Einbindung der Ausgleichsarbeit in  Abläufe und Verfahren ist Thema dieses Arbeitskreises.  In Oldenburg gibt es eine Vereinbarung zwischen Staatsanwaltschaft, Polizei und TOA-Fachstelle zur direkten Überstellung von Ausgleichsfällen durch  die Polizei, nach Abschluss der Ermittlung. In Hannover arbeiten die Staatsanwaltschaft und die TOA-Fachstelle Waage e.V. in der Beurteilung der  Straftaten (-akten),  bezüglich der Eignung zum TOA, sehr eng zusammen. Ausgehend von  diesen Beispielen soll  mit den Teilnehmenden über die Möglichkeiten gelungener  TOA-Praxis diskutiert werden.
Impuls: Christin Stüven, Oberstaatsanwältin,  Staatsanwaltschaft Hannover; Rolf Cramer, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes, PK Westerstede
Moderation: Arend  Hüncken, LAG Ambulante Sozialpädagogische Angebote e.V.

AK 5: Sanktionen- Dialog Jugendhilfe und Justiz; Gibt es einen Weg vom „Wir“ und „Ihr“ zum „Uns“?
Im Rahmen des Jugendstrafverfahrens kommt es zwischen Jugendhilfe und Justiz immer wieder zu Missverständnissen oder gegenseitigem Unmut. Vorschläge und Entscheidungen der Justiz werden, wie es die Auseinandersetzung um die Sinnhaftigkeit des Arrestes immer wieder zeigt, häufig von der Jugendhilfe kritisiert. Dass es jedoch aus justizieller Sicht notwendig sein kann, auch dieses Mittel zu nutzen, wird dabei oft nicht berücksichtigt. Umgekehrt werden Maßnahmen wie Täter-Opfer-Ausgleich oder Soziale Trainingskurse als zu „weiche“ Reaktion auf Straftaten angesehen und nicht genutzt. In welchen Zwängen stecken beide Arbeitsbereiche, welchen Auftrag haben eigentlich Jugendhilfe und Justiz? Wie „ticken“ die Beteiligten? Wie kann eine im Sinne des erzieherischen Gedankens des Jugendgerichtsgesetzes gelungene Kooperation aussehen und was bedarf es dazu? Diese und weitere Fragen sollen im Hinblick auf ihre alltagspraktische Relevanz diskutiert werden. Auch wenn nicht alle Fragen abschließend zu beantworten und zu lösen sind, tragen Austausch und Diskussion sicherlich dazu bei, das süße Leben ein bisschen leichter zu machen.
Impuls: Thomas Mörsberger, Vorsitzender des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF), Heidelberg
Moderation: Thomas Bertram, Jugendhilfe Münden gemeinnützige GmbH

AK 6: „Viel hilf viel? Und mehr hilft mehr?“
Das Sanktionssystem des deutschen Jugendstrafrechts bietet einen breite Vielfalt von Reaktionsmöglichkeiten. Gleichwohl hat sich im Jugendstrafrecht wie auch im allgemeinen Strafrecht eine Sanktionspraxis verfestigt, die auf die Erhöhung einer zuvor verhängten Sanktion setzt. Oftmals  wird nach dem Prinzip „Wer es beim letzten Mal nicht verstanden hat, erhält eine erhöhte Strafe“ verfahren. Die Argumente hierfür reichen vom Hinweis auf zu zeigende Durchsetzungsstärke, über das vermeintliche Prinzip der Unwirksamkeit gleicher Strafen bis hin zum Statement, man wolle sich schließlich gegenüber dem Angeklagten nicht lächerlich machen. Aber hilft mehr auch wirklich mehr? Dieser Frage soll in diesem Arbeitskreis nachgegangen werden. Was macht Strafen wirksam? Wann setzt ein Erziehungseffekt ein? Wie hindert man einen Straftäter an der Begehung weiterer Straftaten und was hält ihn letztlich von diesen weiteren Straftaten effektiv ab?  Wir fragen nach Erkenntnissen der Erziehungswissenschaften und tauschen uns über die Erfahrungen in den verschiedensten Praxisfeldern aus.
Impuls: Klaus Breymann, Oberstaatsanwalt a.D., Magdeburg
Moderation: Maria Kleimann, Richterin am Amtsgericht Hannover

AK 7: Badesalz statt Gras? Neue Psychoaktive Substanzen“ und Entwicklung der Betäubungsmittelkriminalität, Erklärungsansätze uvm.
Neue psychoaktive Substanzen (legal highs) und Vertriebswege über das Internet konfrontieren Gesetzgeber, Polizei und Drogenhilfe mit neuen Herausforderungen/Fragestellungen: Inwieweit haben sich Konsumverhalten, Schwarzmarkt und Drogenszenen verändert? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Prävention sowie für Polizeiarbeit und Drogenhilfe im Allgemeinen, wie können die Akteure auf diese Entwicklungen reagieren? Inwiefern kann/muss/sollte das BtMG angepasst/verändert/reformiert werden, wenn die Konsumenten auf Kräutermischungen/Chemikalien ausweichen, deren Inhaltsstoffe zwar legal aber hinsichtlich Wirkung und Gefährlichkeit unberechenbar sind?  Sollte ein grundsätzlich anderer drogenpolitischer Ansatz auch vor diesem Hintergrund diskutiert werden– Regulierung statt Kriminalisierung, Gesundheitsfürsorge statt Strafverfolgung?“
Impuls: Elisabeth Mickler-Kirchhelle, Drogenberatungszentrum Göttingen; Martin Freyberg, Polizeiinspektion Göttingen
Moderation: Sven Schöpf, Jugendhilfe im Strafverfahren/TOA, Hannover

Der AK 8: „Knast trotz Jugendhilfe?“ – Von den „Gescheiterten“ über Umstände des Scheiterns lernen konnte nicht stattfinden.

Letzte Änderung dieser Seite: 
31.05.2016