Arbeitskreise

25. Niedersächsischer Jugendgerichtstag 2015
20. November, Landgericht Braunschweig

Arbeitskreis 1
„Alles was knallt!“ Vermehrter Cannabis-Konsum bei Jugendlichen. Nur Aufhellung des Dunkelfeldes oder was ganz anderes?
Auch im vierten Jahr in Folge sind Steigerungen im Hellfeld bei den Delikten im BTM-Bereich feststellbar. In 2014 wurden in Niedersachsen insgesamt 29.801 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt und damit 2.302 Straftaten mehr als 2013. Jugendtypisch sind hierunter die Verstöße mit Cannabis und Zubereitungen mit allein 15.737 Taten. Der erneute Anstieg lässt aufhorchen, zu einem Großteil sind daran Jugendliche und Heranwachsende beteiligt. Mehr als deutliche Zuwachsraten (20 %) zeigen sich das dritte Jahr in Folge bei den Minderjährigen (3.896 Tatverdächtige), Mädchen weisen überproportionale Steigerungsraten auf. Haben diese enormen Zunahmen von Delikten im BTM-Bereich nur etwas mit der Aufhellung des Dunkelfeldes zu tun? Welche Rolle spielen Kräutermischungen bei der Jugend? Konsumiert die Jugend „alles was knallt“?
In Braunschweig wurde vom Gesundheitsamt unter Mitwirkung der Drogenberatungsstelle und des Jugendkommissariates der Polizei Braunschweig eine Dunkelfeldbefragung bei Schülern durchgeführt.
Die Fragen zum Thema und die Schülerbefragung werden im Workshop diskutiert.
Ralf Metschulat, Leiter Jugendkommissariat Braunschweig
Doris Freudenstein, Gesundheitspädagogin, Gesundheitsamt Braunschweig
Rainer Schubert, Gesundheitsplaner, Sozialreferat der Stadt Braunschweig
Moderation: Kathrin Lompe, KHK’in Polizeidirektion Braunschweig

Arbeitskreis 2
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Anforderungen und Erfahrungen
Die Anzahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus außereuropäischen Ländern nimmt kontinuierlich zu und stellt die Kommunen sowie insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe vor besondere Anforderungen, um eine dem Kindeswohl entsprechende Unterbringung, Versorgung und Betreuung sicher zu stellen. Häufig entscheidet der Zufall darüber, ob die Rechte von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eingehalten werden: In einigen Regionen stehen zu wenig Plätze zur Verfügung, Fachkräfte fehlen und die Betreuungsstrukturen sind nicht ausgebaut. Straffälligkeit ist eines der möglichen auftretenden Probleme der allerdings in vielfacher Hinsicht massiv belasteten jungen Menschen – scheint aber besonders geeignet für die übliche Ausgrenzungs-Rhetorik, wie etwa mancherorts die Forderung nach geschlossener Unterbringung.
Am Beispiel des Konzepts der Jugendhilfe Südniedersachsen e.V. sollen Voraussetzungen, konkrete Erfordernisse und Erfahrungen in der Versorgung, Unterbringung, Betreuung und Begleitung dieser jungen Menschen erörtert und diskutiert werden.
Christian Stoll, Jugendhilfe Südniedersachsen e.V.
Moderation: Dr. Regine Drewniak, wissenwasgutist, Göttingen

Arbeitskreis 3
Eine „Runde Sache“ – Täter-Opfer-Ausgleich und ergänzende Gruppenarbeit mit Opfern, Tätern und Täterinnen
Die Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von ambulanten sozialpädagogischen Angeboten der Jugendhilfe für junge Straffällige, in der aktuellen Fassung vom 11.11.2014 ermöglicht die Förderung der Gruppenarbeit im Täter-Opfer-Ausgleich. Das ermöglicht die Anpassung und Erweiterung der TOA-Arbeit in Niedersachsen an aktuelle, international praktizierte Ausgleichsarbeit in Strafsachen. In den letzten 10 Jahren ist die Praxis der Mediation in Strafsachen in Niedersachsen angeregt worden durch Konzepte, die auf der Integration von indirekt Beteiligten in die Mediationsarbeit basieren.
Restorative Circles, Wiedergutmachungskonferenzen, Peace Circles, und mehr – bei diesen Konzepten ist die Grundidee der Mediation das Fundament der Arbeit. Es geht um selbstbestimmte, freiwillige Arbeit an Konflikten im Bezug zu Straftaten. Die gleichberichtigte Gruppe im Kreis ist die Form einer nicht parteilichen, tatorientierten Arbeit mit Beteiligten und Betroffenen einer oder mehrerer Straftaten.
In dem Arbeitskreis wollen wir die Grundlagen der Arbeit darstellen, die verschiedenen Konzepte genauer betrachten und die Unterschiede zur parteilichen Gruppenarbeit mit Tätern oder Opfern deutlich machen.
Veronika Hillenstedt, Konfliktschlichtung e.V. Oldenburg
Ilka Schiller, Kontakt e.V. Alfeld
Moderation: Arend Hüncken, Kontakt e.V. Alfeld

Arbeitskreis 4
Schulabsentismus: Was machen Schule, Ordnungsbehörden, Jugendrichter? Wo ist die Jugendhilfe? Erfahrungen aus der Praxis im Landkreis Osnabrück
Trotz Schulpflicht schwänzt jeder dritte Schüler gelegentlich den Unterricht, einer von 20 hat massive Schwierigkeiten mit dem regelmäßigen Schulbesuch (vgl. Ricking, Schulze, Wittrock 2009).  Angesichts der negativen Folgen engagiert sich der Landkreis Osnabrück seit fast 15 Jahren im Bereich der Schulverweigerung. Im Arbeitskreis wird über die Hintergründe für Schulverweigerung informiert. Alternativen im Umgang werden aufgezeigt.
Susanne Steininger, Bereichsleitung Übergangsmanagement Schule – Beruf im Landkreis Osnabrück, MaßArbeit
Moderation: Dr. Gerhard Porps, Nds. Kultusministerium

Arbeitskreis 5
Was hab ich denn nun gekriegt? - Kommunikation im Jugendstrafverfahren
Ein vom Jugendgericht verurteilter junger Mensch verlässt mit seinem Verteidiger nach der Hauptverhandlung den Sitzungssaal. Auf dem Flur fragt er den Rechtsanwalt: „Was hab ich denn nun eigentlich gekriegt?“ Ist das der Alltag oder eine Ausnahme? Verstehen junge Menschen die Abläufe in der Hauptverhandlung? Wie verläuft die Kommunikation im Jugendstrafverfahren? Sind Anspruch und Wirklichkeit miteinander in Einklang zu bringen?
Diesen Fragen will sich dieser Arbeitskreis annehmen. Dabei soll erörtert werden, wie die Beteiligten eines Jugendstrafverfahrens die Kommunikation wahrnehmen und wie sie sie selbst mitgestalten können.
Das Ideal einer verständlichen und nicht erklärungsbedürftigen Verhandlung soll erörtert und diskutiert werden.
Exemplarisch wird das Projekt „Seitenwechsel“ vorgestellt, in dem junge Inhaftierte des Offenen Jugendvollzugs in Göttingen Rollen im Strafverfahren übernehmen.
Stefan Scherrer, Richter am Amtsgericht Göttingen
Laura Hasse, Universität Göttingen

Arbeitskreis 6
Ambulante Maßnahmen: Neue Wege im Umgang mit „Systemsprengern“ – Maßgeschneiderte Individual-Lösungen auch für junge Straffällige!
Ambulante Sozialpädagogische Angebote stehen vor der Herausforderung wirksame Betreuungsangebote für mehrfach-straffällige junge Menschen vorzuhalten, um freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden und notwendige Hilfen für die Entwicklung neuer Lebensperspektiven zu bieten. Die von massiven sozialen  Ausgrenzungen und Benachteiligungen betroffenen jungen Menschen benötigen erzieherische Angebote, die sie in ihren Lebenszusammenhängen erreichen und nachhaltige Hilfen leisten.
Welche Antworten können wir unter dem Eindruck sich zuspitzender Problemlagen und schwindender finanzieller Ressourcen finden? Mit welchen Angeboten können wir diese jungen Menschen (noch) erreichen? In dem Arbeitskreis wird ein Praxismodell aus der Region Braunschweig/Wolfenbüttel vorgestellt, das bestehende Standardangebote erfolgreich erweitert bzw. ergänzt.
Das Angebot richtet sich an junge Menschen, die im pädagogischen Hilfesystem bisher gescheitert sind (oder dieses an ihnen gescheitert ist) und die mit den klassischen Hilfen zur Erziehung nicht mehr erreicht werden. Der Trägerverbund erarbeitet gemeinsam mit den Beteiligten, insbesondere mit den zuständigen Jugendämtern, eine Lösungsidee. Mit der Zielgruppe dieses Angebots gibt es in Bezug auf die Ambulanten Sozialpädagogischen Angebote für junge Straffällige eine hohe Überschneidung. Der Trägerverbund versucht mit neuen Kooperationsformen und einer großen Bandbreite an kreativen und fachlichen Ressourcen individuelle Lösungen zu „stricken“, um „Betreuungskarrieren“ und damit auch „Kriminelle Karrieren“ bei diesen jungen Menschen zu vermeiden.                  
Claudia Soluk-Pardylla, Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen e. V.
Martina Knackstedt, Päd.psych-Therapiezentrum e. V.
Per Möller, Remenhof-Stiftung
Moderation: Beate Ulrich, Jugendhilfe Wolfenbüttel e.V.

Arbeitskreis 7
„Alles perfekt oder geht da noch was?“ Zur Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Polizei
Polizei und Jugendhilfe kommen mit
- unterschiedlichen Zielvorgaben,
- unterschiedlichen gesetzlichen Aufträgen,
- unterschiedlichen Struktur- und Arbeitsprinzipien,
- unterschiedlichen Zuständigkeiten und Befugnissen,
- unterschiedlichen Methoden,
- aus unterschiedlichen Anlässen,
- zu unterschiedlichen Zeiten
mit dem gleichen Personenkreis (Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene) in beruflichen Kontakt. Die Wahrnehmung der Aufgaben der Jugendhilfe im Jugendstrafverfahren (JGH) ist ein komplexes, an Schnittstellen reiches Aufgabenfeld. Ein Kernpunkt der polizeilichen Jugendsachbearbeitung liegt ebenso in der Zusammenarbeit mit den anderen Institutionen.  Es gibt mindestens ein gemeinsames Ziel: die Vermeidung von Straftaten. Grundlage ist hierfür ein klares Rollenverständnis und die gegenseitige Akzeptanz der unterschiedlichen Professionen und deren gesetzliche Aufträge. Die beruflichen Rollen müssen im Kontakt miteinander eingehalten werden, um die Funktion der jeweils anderen Berufsgruppe nicht zu beeinträchtigen. Im zentralen Blickwinkel der Jugendhilfe steht die Gesamtpersönlichkeit des Einzelnen. Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Zusammenarbeit sollten thematisiert werden.
Sind eigentlich Rahmenbedingungen in der Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und der Polizei in Niedersachsen ausreichend beschrieben? Benötigen wir mehr verbindliche Absprachen und Verfahrensweisen in der Zusammenarbeit? Alles perfekt oder geht da noch was?
Konstanze Fritsch, Clearingstelle - Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz, Stiftung SPI Berlin
Tilman Wesely, POK/Jugendkontaktbeamter Polizeidirektion Hannover

Arbeitskreis 8
Jugendarrestvollzugsgesetz – Wer setzt das Gesetz wie mit welchen Mitteln in die Praxis um?
Der Entwurf für ein Jugendarrestvollzugsgesetz ist im Landtag eingebracht, das Gesetzgebungsverfahren wird in absehbarer Zeit abgeschlossen sein. Unabhängig von der grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber der Verhängung von Arrest hat der DVJJ Landesvorstand den Entwurf in einer Stellungnahme begrüßt. Zu diskutieren sind jetzt die für die praktische Umsetzung der im Gesetz formulierten Anforderungen und Vorgaben zu schaffenden Voraussetzungen.
Jens Grothe, Niedersächsisches Justizministerium;
Frido Ebeling, LAG Niedersachsen für Ambulante sozialpädagogische Angebote nach dem Jugendrecht

Arbeitskreis 9
Arbeitsleistungen - alternativloses dauerhaftes Übel oder gibt es andere Wege?
Trotz seit langem vorgebrachter rechtlicher sowie inhaltlicher Bedenken stellt die Verpflichtung des Betroffenen, (gemeinnützige) Arbeitsleistungen zu verrichten, noch immer die häufigste richterliche Sanktion im Jugendstrafverfahren dar. Wesentlich für die Vermittlung bzw. Durchführung der Arbeitsleistungen aus Sicht des Jugendhilferechts ist, dass sie zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in eine sozialpädagogische Betreuung eingebunden sind und die soziale Integration fördern. Soweit die Arbeitsleistung als eine tendenziell schuldausgleichende und tatorientierte Sanktion von Gerichten auferlegt wird, fehlt ihr indessen der für die Jugendhilfe relevante (leistungsauslösende) „erzieherische“ Anspruch. Schon deshalb fällt die Vermittlung von Arbeitsleistungen nicht „per se“ in den Aufgabenbereich der Jugendämter. Sinnvoll erscheinen Arbeitsleistungen dann, wenn sie konkrete und symbolische Wiedergutmachungsbemühungen darstellen oder aber im Rahmen einer handlungspädagogischen Konzeption arbeitsweltorientierte Aktivitäten gezielt mit einem (gruppen-)pädagogischen Hilfeangebot verbinden.
Wie sich eine für alle Beteiligten sinnvolle Praxis vor Ort entwickeln und gewährleisten lassen kann, ist Gegenstand der Beratungen im Arbeitskreis.
Henry Stöss, Amt für Jugend und Familie, Chemnitz
Ruben Franzen, RiAG Eilenburg

 

Letzte Änderung dieser Seite: 
09.09.2015